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Gentoo: langlebige Distribution

Gerade durch Zufall bemerkt: Das Gentoo-Linux auf dem ich hier arbbeite habe ich vor seh vielen Monden installiert: am 02.12.2002 Das war vor 5 Jahren, 8 Monate und 6 Tagen. Trotzdem ist das System aktuell. Das heisst nicht ganz aktuell, derzeit auf dem Stand von letzter Woche Mittwoch. Mein erstes Linux habe ich vor gut 12 Jahren installiert. Eine Slackware. Ohne Kenntnisse ausser einer Einführungsveranstaltung an der FH Westküste habe ich etwa 1 Woche benötigt um eine Installationsdiskette zu erzeugen die mit meinem Advansys SCSI-Controller umgehen konnte. Andere Zeiten. In den folgenden Jahren habe ich diverse Distributionen durchprobiert: Red Hat, Mandrake, Debian und weitere. Was den meisten Gemeinsam war ist die RPM-Hölle. Früher oder später stiess man auf die Notwendigkeit, ein rpm selbst zu erstellen oder -schlimmer- ein Programm/Bibliothek von Hand zu installieren was früher oder später zu einem inkonsistenten System führt. Bitte alle "früher oder später" als "früher" lesen. Sehr früh. Viel zu früh. Debian war besser aber mit dem Preis des Altertums. Da ich nicht von Windows kam sondern von OS/2 mit seiner bis heute im Prinzip unerreichten, konsequent Objektorientierten, Workplace Shell (WPS) war ist mir eine aktuelle Oberfläche wichtig. Beim Unterbau gehe ich eher Kompromisse ein, aber auch da bevorzuge ich natürlich aktuellere Versionen. RPM-basiertes war es also nicht, debian auch nicht, also habe ich mich mal an Gentoo gewagt. Zu LFS fehlte mir damals der Mut bzw. daran traute ich mich nicht als Basis für mein Arbeitssystem. An Gentoo schon. Und ich habe es nicht bereut. Da ich lesen kann und das geschriebene sogar verstehe dauerte die Installation zwar länger da Gentoo (fast) alles compiliert, aber war letztlich nicht wirklich schwerer als bei anderen Distributionen ein paar mal mit der Maus zu klicken. Man tippt halt. Installiert habe ich damals aus meiner bestehenden Distribution (Red Hat oder Mandrake, weiss ich nicht mehr genau) heraus, was kein Problem war auch wenn die Dokumentation von einer Installations-CD ausging. Ein chroot hat schon damals gereicht. Gentoo hat (für mich) einige sehr entscheidende Vorteile:
  • eine sehr aktive Community
  • Das Paketsystem portage mit seiner hohen Flexibilität: Mit den 'USE'-Flags baut man die Pakete mit den Eigenschaften die man haben will (oder nicht) und die Pakete werden auf Basis dessen installiert was gerade im System ist (sie werden gegen das compiliert was praktisch da ist).
  • klare Struktur der Konfiguration: Praktisch alles Relevante wird über Textdateien, mehrheitlich in /etc/conf.d/, konfiguriert. Egal ob und welche grafisch Oberfläche man verwendet, es ist zentral an einer Stelle. Und Notfalls mit Openoffice zu bearbeiten cool So konsequent ist keine mir bekannte Distribution, nicht mal Debian
Was definitiv kein Grund für Gentoo ist: die Geschwindigkeit. Sicher gehört Gentoo eher zu den flotteren Distributionen, aber man bekommt jedes System fett und lahm. Der Vorteil des Compilierens für die eigene CPU ist zwar vorhanden, liegt aber im sehr einstelligen Prozentbereich. Das bringt effektiv nicht so viel. Die USE-Flags sind da in der Praxis entscheidender. Da jedes Paket auch bei Updates gegen das vorhandene gebaut wird kann man ständig aktualisieren. Grundsätzlich ratsam, bei bestimmten systemrelevanten Biblotheken auch notwendigen, ist nach dem portage Lauf einmal revdep-rebuild (aus dem Paket gentoolkit) durchlaufen zu lassen. Das Tool überprüft alle Programme und Bibliotheken darauf ob noch alle Abhängigkeite erfüllt sind und baut sie ggf. neu. Allein die Prüfung wünsche ich mir bei jeder anderen Distribution selbst wenn sie die evtl. defekten Pakete nicht neu bauen kann. Bei Gentoo kann sie es. Pauschal gesprochen geht fast alles. Und sehr automatisch. Man braucht nut eines: Gedult. Denn das ist der einzige und grosse Nachteil von Gentoo: Alles wird compiliert und das braucht Zeit. Durchaus auch mal viel Zeit