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Leseempfehlung: Depression abzugeben: Erfahrungen aus der Klapse


Uwe Hauck: Depression abzugeben - Erfahrungen aus der Klapse

Dieses Buch möchte ich jedem ans Herz legen, egal ob man direkt oder indirekt betroffen ist. Keine Angst, es liest sich nicht so schwer, wie es klingt:

Seelische Erkrankungen verschleppt man oft und das kann schiefgehen. Uwe Hauck möchte über das Tabuthema Depressionen aufklären, den Betroffenen die Angst vor Psychiatrien nehmen und einen Einblick in das geben, was einem in der Klapse erwartet.

Offen, schonungslos und unterhaltsam lässt er uns an seinem Therapieverlauf teilnehmen und spart nicht mit Anekdoten über Beschäftigungsmaßnahmen, wie Korbflechten, Maltherapien oder Ausdruckstänzen. Denn die Klapse ist nichts anderes als ein Krankenhaus für gebrochene Seelen, und eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden, so der Autor.

Uwe Hauck beschreibt seine eigene Krankheit, von den Zweifeln bis zum Absturz mit Selbstmordversuch und anschliessenden Therapien in verschiedenen Einrichtungen.
Ein schweres Thema, aber Uwe schafft es, immer wieder ein Augenzwinkern einzubauen. Das klingt falsch, aber es schwächt das Thema Depression nie ab. Es ist meist eine Beobachtung, Bemerkung zu etwas am Rande der Therapie oder Umgebung. “Aus der Klapse” betrachtet, sind wir Normalen auch reichlich verrückt. Vielleicht halt nur nicht diagnostiziert. Diese (Neben)sätze sorgen dafür, dass das Buch sich trotz des schweren Themas sehr gut und angenehm liest und auch Uwe selbst für den Leser nicht nur aus Depression besteht.

So, wie er abseits der Krankheit erscheint, habe ich ihn bei Twitter immer wahrgenommen. Er gehörte vor über 10 Jahren zu den ersten Menschen, denen ich bei Twitter gefolgt bin. Ich habe Anfangs erstmal bei meinen Bekannten geguckt, wem die so folgen und so landete Uwe in meiner Timeline. Er war von daher für mich bei Twitter einfach “da” und plötzlich twitterte er mit dem Hashtag #ausderklapse. Da konnte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mit umgehen, wenn Uwe in seinem Buch schreibt, wie die Leute in den sozialen Medien ihm geholfen haben, bin ich nicht gemeint.

Das Buch hat mir nun sehr geholfen. Natürlich kann ich ohne betroffen zu sein, die Krankheit noch immer nicht wirklich verstehen. Das ist wohl auch gar nicht möglich. Aber ich glaube, ich selbst kann jetzt besser mit solchen Situationen umgehen, nicht nur mit Uwes Fall.
Und auch, wenn ich die Krankheit ohne selbst betroffen zu sein wohl nie nachvollziehen können werde, verstehe ich zumindest wohl etwas mehr, wie es in dem Betroffenen aussieht. Zumindest so weit, dass ich damit umgehen kann.

Und ich glaube, auch für Betroffene ist dieses Buch eine Hilfe. Jede Depression ist ein spezieller Fall, aber Uwe zeigt, dass es nicht so bleiben muss. Die Krankheit ist kein Knochenbruch, der irgendwann verheilt ist, sie bleibt immer in einem. Aber man kann Wege lernen, mit ihr umzugehen.
Ich denke, dieses Buch kann Betroffenen Mut machen. Es gibt einen Weg aus der Spirale und dieses Buch ist halt nicht von irgendeinem Akademiker geschrieben, sondern von einem ebenfalls Kranken, der sogar versucht hat, sich das Leben zu nehmen.

Auch deswegen ist der Stil von Uwe so gut, er macht sein Schicksal nachvollziehbar und das wie gesagt immer wieder mit einem Augenzwinkern. Etwa wenn ein Arzt ihm den Ernst gemeinten Rat gibt sich “aus diesem Internet” zu löschen wink.

gelesen: Feuer der Leere

Feuer der Leere von Robert Corvus

Robert Corvus: Feuer der Leere

Von Robert Covus hatte ich bisher diverse Perry Rhodan Roman und den ersten Teil seiner Schwertfeuer-Saga gelesen. Die haben mir sehr gefallen, umso gespannter war ich auf seinen “richtigen” Science-Fiction Roman:

Zwischen den Sternen tobt ein Krieg um tote Welten. Die letzten Menschen fliehen auf Großraumschiffen durch die Galaxis, gejagt von einem erbarmungslosen Feind. Um Nahrungsmittel aufzunehmen, muss die Flotte auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und während die Menschen um ihre Existenzsicherung kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform, und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Priester des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals ein zuvor Mensch beschritten hat.

Ein Konflikt mit einer außerirdischen Rasse hat die Menschen zur Flucht gezwungen. Die Erde ist zerstört und nur noch eine über Generationen weitergetragene Erinnerung. Noch immer werden sie von ihrem Feind gejagd, noch immer bekämpfen sie ihn. Die einzelnen Schiffe haben ihre eigene Kultur, eines der Schiffe, SQUID, ist gar selbst eine außerirdische Lebensform. Entsprechend verschieden sind die jeweiligen Bewohner.
Schon die Ereignisse, die sich auf der SQUID und dem Rest des Tross entwickeln, wäre faszinierend genug zu lesen, der notwendige Zwischenstop auf dem Planeten Cochada wirkt dann aber wie ein Katalysator, auf alle Beteiligten.

Robert Corvus hat es auch mit Feuer der Leere geschafft, ein eigenes Universum zu schaffen. Die sozialen Strukturen und einzelnen Personen nehmen einen großen Raum ein, in die sozialen Strukturen verwoben ist aber auch die weitere, umfassende, Rahmenhandlung bzw. Grundlage. Wir werden Anfangs mitten in die Handlung rein geworfen und erlesen dann anhand des weiteren Umgangs innerhalb der Flotte die sozialen Verhältniss und geschichtliche Grundlage. Wobei wir den Ursprung des Konflikts mit den Außerirdischen nicht erfahren, er bleibt im Nebel der Geschichte. Im laufe des Romans, vor allem im letzten Teil, kann man sich daher so einige Gedanken machen, was die Vergangenheit der verbliebenen Menschheit angeht.

Der Roman ist abgeschlossen und funktioniert wunderbar mit dem halboffenen Ende. Aber wenn man weiter lesen will, gibt es wohl zumindest für einen der potenziellen Handlungsstränge eine Fortsetzung mit Das Imago-Projekt. Der steht nun auch auf meiner viel zu langen “zu lesen” Liste surprise.

gelesen: Rogue Protocol: The Murderbot Diaries


Martha Wells: Rogue Protocol

Buch/Kapitel 3 der Murderbot Diaries:

Sci-fi’s favorite antisocial A.I. is back on a mission.
The case against the too-big-to-fail GrayCris Corporation is floundering, and more importantly, authorities are beginning to ask more questions about where Dr. Mensah’s SecUnit is. And Murderbot would rather those questions went away. For good.

Unser selbsternannter Mordroboter will den Einflussbereich seiner urpsprüngliche Mutterfirma verlassen und seine Wahl fällt auf eine verlassene/misslungene Terraforming-Welt. Dort will er Beweise finden, die auch Dr. Mensah helfen würden. Sie hatte ihn im ersten Band All Systems Red freigekauft und er war daraufhin abgehauen.
Auf dem Weg muss er auf Veranlassung des Transporters einen Haufen dieser nervigen Menschen beaufsichtigen, statt Serien gucken zu können. Und auf der Station kann er nicht aus seiner Haut und hilft heimlich einem Untersuchungsteam, weil er deren Sicherheitsteam nichts zutraut. Auch wenn er sich Murderbot nennt, so ist er doch ein Sicherheitsandroide und kann trotz freiem Willen nicht aus seiner Haut.

Auch der dritte Roman ist wieder ein zynischer Spaß, Murderbot scheint den nervigen und unvollkommenen Menschen aus Fleisch und Blut ähnlicher zu werden. Das wird bestimmt lustig, wenn er sich dessen in kommenden Romanen bewusst wird. Hier hilft er heimlich, mit seinen sarkastischen inneren Monologen über den Haustiercyborg und recht tumben Kampfrobotern.
Ich freue mich schon auf den vierten Roman Exit Strategy. Vorbestellt habe ich ihn, am 2. Oktober soll er erscheinen.

gelesen: Jupiter (Eismond 5)

Jupiter (Eismond 5) von Brandon Q. Morris

Brandon Q. Morris: Jupiter

Teil 5 der Eismond-Reihe und deutlich Teil des “Morris’ Literary Universe” laugh

Das Expeditionsraumschiff ILSE ist mit brisanter Fracht auf dem Weg zur Erde. Doch plötzlich häufen sich die Fehlfunktionen und die Crew gerät in große Gefahr. Es scheint, als hätten alle Schwierigkeiten mit dem Riesenplaneten Jupiter zu tun, dessen Bahn das Schiff gerade kreuzt. Die Expedition bewegt sich auf eine Katastrophe zu – weil eine unbekannte Macht Pläne schmiedet, die die Zukunft der Menschheit beeinflussen sollen

In Teil 4 Enceladus: Die Rückkehr war die ILSE mit Finanzierung durch einen russischen Multimilliardärs zum Saturn-Mond Enceladus zurückgekehrt, um den Bordarzt Marchenko zu retten.
Dass die enorme Finanzierung nicht ohne Hintergedanken erfolgt, war allen klar. Den Preis hatte die Crew schon in Teil 4 erfahren, Teil 5 schildert die Rückreise bei der unter anderem der Jupiter eine große Rolle spielt.

Die Ereignisse der Rückreise erfahren wir aus einer Erzählung, die in eine Rahmenhandlung eingewoben ist, für die ich Morris wirklich gratulieren kann. Völlig natürlich werden Geschehnisse aus The Hole eingebunden und Proxima Rising vorbereitet.
Man muss beide Romanreihen weder gelesen haben, noch kennen, sie sind einfach Bestandteil des erzählerischen Universums von Brandon Q. Morris. Und das auf literarischer Ebene durchaus mit dem Marvel Cinematic Universe vergleichbar. Alles basiert auf einer fiktiven Zeitlinie, innerhalb derer sich immer mal wieder auf Ereignisse bezogen wird, die völlig unabhängig in einer anderen Romanreihe geschildert wurden. Die Anspielungen muss man dabei weder bemerken, noch verstehen, wenn man aber den anderen Roman kennt, ist es ein Bonus. Absolut nicht notwendig, aber doch schön smiley.

gelesen: Der Kriegstourist

Der Kriegstourist von Jesper Bugge Kold

Jesper Bugge Kold: Der Kriegstourist

Manchmal muss man auch mal von den normalen Lesegewohnheiten abweichen. Statt Science-Fiction/Fantasy oder Krimi/Thriller geht es in Der Kriegstourist des dänsichen Autors Jesper Bugge Kold um einen gelangweilten Lehrer:

Längst empfindet Niels für seinen Lehrerjob und seine Familie nichts als Langeweile. Da ist das Angebot seines alten Freundes Michael, der inzwischen als Kriegsfotograf arbeitet, zu verlockend: Niels kann ihn ins krisengeschüttelte Beirut begleiten. Angst und Abenteuer werden von nun an wie zu einer Sucht: Gemeinsam mit Michael reist er in weitere Kriegsgebiete – in den Libanon, nach Mali, in die Ukraine. Und überall treffen sie auf Gleichgesinnte, die ebenso fasziniert sind von der gefährlichen Mischung aus Gefahr, Gewalt und Adrenalin.
Nach einer riskanten Flucht in der Ukraine glaubt Niels, endlich genug zu haben. Er will zu Hause bleiben, auch wenn ihm die eigene Familie fremd geworden ist. Aber nach einiger Zeit verspürt er wieder die verhängnisvolle Abenteuerlust. Er packt seine Sachen und fasst einen folgenschweren Entschluss.

Etwas ungewohnt ist der Roman aus Niels’ Perspektive in der Gegenwartsform geschrieben. Das führt dazu, dass man seine Reisen in die Krisengebiete ebenso wie die Rekationen seines Umfelds unmittelbarer miterlebt. Ein fataler Zwischenfall scheint jederzeit möglich und schwebt ohne, dass es angedeutet wird, immer über der Erzählung.
Niels’ Geschichte wird dabei fast schon sachlich, auf jeden Fall ohne Wertung, geschildert. Egal ob man sich selbst gerde vorstellen kann, in ein Krisengebiet zu reisen, sind seine Entscheidungen nie “richtig” oder “falsch”, sondern schlicht nachvollziehbar. Der Roman bezieht keine Stellung, sondern überlässt es dem Leser, die Ereignisse zu beurteilen. Und zwar sowohl die der Hauptperson, als auch der Krisengebiete.
Die Welt ist nicht schwarz und weiß, sondern grau. Auf jeder Ebene und wo sich der Leser positioniert bleibt komplett ihm selbst überlassen.

gelesen: Artificial Condition: The Murderbot Diaries


Martha Wells: Artificial Condition - The Murderbot Diaries

Das zweite Kapitel (Buch) des Tagebuch des “Mordroboters”:

It has a dark past—one in which a number of humans were killed. A past that caused it to christen itself “Murderbot”. But it has only vague memories of the massacre that spawned that title, and it wants to know more.
Teaming up with a Research Transport vessel named ART (you don’t want to know what the “A” stands for), Murderbot heads to the mining facility where it went rogue.
What it discovers will forever change the way it thinks…

In All Systems Red haben wir den “Murderbot” kennen gelernt. Ein Sicherheitsroboter/Cyborg, der sich selbst als Mordroboter bezeichnet. Zwar kann er sich mit seinen menschlichen Auftraggebern arrangieren, aber in der Vergangenheit hat er gemordet. Das weiss er. Mehr nicht.
Nachdem ihn seine menschlichen Auftraggeber in All Systems Red freigekauft hatte, macht er sich auf den Weg dorthin, wo er zum Mörder wurde um die Umstände zu erfahren. Unterstützung bekommt er von der künstlichen Intelligenz eines Forschungstransporters. Ein neugieriges und hilfreiches Arschloch…

Murderbot ist einfach cool. Eine künstliche Intelligenz in einem Cyborgkörper, die auf triviale Unterhaltungsserien steht. Er ist nüchtern-abstrakt, scheint alles eher von aussen zu betrachten. Da wir seine Gedankengänge miterleben wirkt er aber dennoch menschlicher, als die meisten Menschen.
Obwohl die Bücher für ihre Länge eher teuer sind, habe ich auch diesen Kauf nicht bereut. In drei Wochen soll die Fortsetzung Rogue Protocoll erscheinen. Da hoffe ich zwar, dass der Preis bis dahin noch etwas sinkt, aber ich bin mir doch sehr sicher, dass ich es auf jeden Fall kaufen werde blush. Vorbestellt habe ich es jedenfalls, also so gut wie gekauft. Murderbot ist einfach cool angel

gelesen: Mordseekrabben

Mordseekrabben von Krischan Koch

Krischan Koch: Mordseekrabben

Nach so viel Science-Fiction in letzter Zeit wurde es Zeit für einen Krimi:

Für Dorfpolizist Thies Detlefsen aus dem nordfriesischen Örtchen Fredenbüll steht der Sommerurlaub an. Wie jedes Jahr geht es mit der ganzen Familie nach Amrum rüber. Ehefrau Heike freut sich auf die Wellness-Pension, doch dort entdecken die Zwillingsmädchen gleich mal einen toten Golfspieler im blau-weißen Friesenbett ihres Zimmers. Noch ehe Thies die Dienstmütze aufsetzen kann, ist die Leiche wieder verschwunden. Gibt es den Toten wirklich oder regt die Hitchcock-Reihe im Inselkino die Fantasie zu sehr an? Da tauchen zwei weitere Tote auf: Touristikchef Heiner Griepenstroh und der reiche Bauunternehmer Pohlmann überleben die feuchtfröhliche Stammtischrunde in der Edelkneipe »Kombüse« nicht. Das kann nur eines bedeuten: Ein Serienmörder geht um auf der Nordseeinsel!

Dies ist offenbar der zweite Roman um den Polizisten Thies Detlefsen, man muss den Ersten aber nicht gelesen haben. Zumindest habe ich es nicht wink. Er kommt aber auf meine Liste, denn Mordskrabben hat mir gefallen und die Fälle sind unabhängig und abgeschlossen.
Der Krimi handelt auf Amrum und das Lokale kommt gut rüber. Sicher gibt es hier und dort Stereotypen, aber insgesamt passt es und fühlt sich heimisch an. Auch, wenn ich Nordfriesland nie als Heimat bezeichnen würde, schließlich bin ich in Dithmarschen aufgewachsen cheeky.
Der Roman ist gut zu lesen und ich würde ihn als sehr guten Urlaubsroman bezeichnen. Ideal im Strandkorb am norddeutschen Strand mit der salzigen Seeluft in der Nase laugh