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gesehen: Blade Runner 2049

Nicht in der Sneak war ich heute, sondern ganz regulär im Kino. Der nächste Eintrage meiner Kinoliste 2017 wartete auf mich, Blade Runner 2049.

Der Original Blade Runner von 1982 ist ein Meisterwerk. Die Buchvorlage von Philip K. Dick dreht sich darum, was einen Menschen ausmacht und was wirklich real ist. Der Film hat zwar große Unterschiede zum Buch und umfasst längst nicht alles, dennoch wird das Buch seit dem Film unter dem Titel Blade Runner verkauft und nicht mehr unter dem Ursprungstitel Träumen Androiden von elektrischen Schafen?. Trotz aller Differenzen hat der Film also einen riesigen Einfluss bis zurück auf die Buchvorlage. Die Optik dieses Science-Fiction-Film-Noir prägte unzählige andere Filme nach ihm.

Die Hürde lag also hoch für Blade Runner 2049, der kein Remake, sondern ein Nachfolger ist und 30 Jahre nach dem ersten Film spielt:


Um in die Stimmung zu kommen und einen realistischen Vergleich zu haben, haben wir uns unmittelbar vor dem Kino noch einem den Final Cut des Originals angesehen.
Sofort fällt auf, dass Los Angeles sich in den 30 Jahren wenig verändert hat. Noch immer ist es düster und im Dauerregen. Schuld ist eine ökologische Katastrophe, die sich zwischendurch ereignet hat und die gesamte Entwicklung bremst. Die Nexus Replikanten wurden zwar nach weiteren Vorfällen nach der Nexus 8 Generation verboten, die Tyrell Corporation ging danach Pleite. Doch nachdemder Industrielle Niander Wallace (Jared Leto) eine verbesserte Nexus 9 Generation vorgestellt hat, wurden sie wieder erlaubt. Auch der Blade Runner in 2049 “K” (Ryan Gosling) ist ein Replikant und jagt die verbotenen Generationen.
Nach einem Einsatz gegen Replikanten wird die Leiche eines weiblichen Replikanten gefunden — sie war schwanger. Dass die künstlichen Lebensformen sich fortpflanzen können ist eine Sensation, die das fragile soziale Gefüge zwischen Menschen und intelligenten Maschinen gefährdet.
“K” bekommt den Auftrag, das Kind zu finden und alle Beweise zu vernichten. Doch natürlich gibt es auch eine andere Seite…

Die Bildstimmung ist wie erwähnt dicht am Original, auch der Ton hat sich kaum verändert. Man hat für die Produktion extra die alten analogen Synthesizer ausgegraben, um den alten Klang reproduzieren zu können. Und Regisseur Denis Villeneuve hat es geschafft, den Stil des Originals weitgehend zu übernehmen. Es gibt sekundenlange Passagen mit z.B. nur einem Bildschwenk oder auch Totale, die nur mit der atmosphärischen Musik unterlegt ist. Im Vergleich zu aktuellen Produktionen nimmt er sich sehr viel Zeit, um Stimmung aufzubauen. Das ist heutzutage gewöhnungsbedürftig, aber man kann wirklich eintauchen in den Film. Und auch das Original war derart entschleunigt, auch um dafür ein Gefühl zu haben, haben wir ihn uns direkt vor dem Kino noch einmal angesehen.

Der Original Blade Runner, Deckard (Harrison Ford) spielt eine wichtige Rolle für die Geschichte, auch Gaff  (Edward James Olmos) aus dem Original taucht auf, aber nur als Cameo. Vor allem im zweiten Teil (bei 2:44 Laufzeit hatten wir auch eine Pause im Film) hat der Film auch noch einiges an Action, allerdings wirkt er nie hektisch.
Die Inszenierung erinnert vom Konzept her an die Serie Stranger Things. Sie ist wie eine Serie aus den 1980’ern, aber kopiert den Stil nicht einfach, sondern ist so ist, wie wir uns heute an den Stil erinnern. Auch Blade Runner 2049 ist “wie früher”, düster und ruhig. Aber nicht nur technisch doch sehr modern gemacht. Auch wenn viele Bildsequenzen an den Originalstil erinnern, sind die meisten Szenen eigentlich modern, durch die Ruhe und Musik wirken sie aber nicht so.

Die eigentliche Geschichte ist ein guter Sprung in die Zukunft, 35 Jahre nach dem Original ist ein Sprung um 30 Jahre in der Geschichte genau richtig. Der optischen relativen Stillstand kann man erklären und dadurch kann auch Harrison Ford als Deckard glaubwürdig eine tragende Rolle spielen und den Generationswechsel unterstützen. Auch die Generationsfolgen der Replikanten passen und dass es ein moderner Replikant ist, der die alten jagt. Replikanten sind bei aller Intelligenz noch immer vor allem ein Werkzeug für schmutzige Jobs. Im direkten Vergleich ist die neue Story vielschichtiger, trifft meines Erachtens aber genau die Motive, die allen Romanen von Philip K. Dick zugrunde liegen wie die Frage nach danach, was Menschlichkeit ausmacht und vor allem, was Realität ist. Auch “K” muss mehrfach sein Wesen hinterfragen, nicht einfach moralisch, sondern wirklich was für eine Art Wesen er ist.

Insgesamt für mich eine wirklich gelungene Fortsetzung, auf die man sich ob des altmodischen Erzählstils aber einlassen muss. Sicher hätte man ihn deutlich flotter inszenieren können, aber dann wäre alles verloren gegangen, was das Original ausmachte. Blade Runner bleibt ein atmosphärischer Actionfilm zum nachdenken.

Nachtrag: Ich war in der 3D Fassung. Das 3D ist sehr angenehm und unauffällig, es gibt dem Bild aber merklich mehr Tiefe. Effektheischerei gibt es praktisch nicht. Daher würde ich im Kino die 3D Fassung empfehlen, zu Hause muss jeder dann selbst entscheiden. Für die Handlung notwendig ist es natürlich nicht, vor allem im Vergleich dürfte die 2D Fassung aber unnatürlich flach aussehen.