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Künstliche Nicht-Intelligenz

Das musste ich vorhin einfach mal sagen twittern:

Anlass war die Meldung, dass die Ride-Sharing App von Sixt bei Bestellung via iphone u.U. teurer ist, als wenn man ein Android Telefon benutzt. Oder wenn man aus einem Chanel-Laden gegenüber einem Outlet. Nicht nett, aber die Logik ist offensichtlich.

Der Vorstand von Sixt hat dies wohl stolz als “Preissetzung per künstliche Intelligenz” genannt. Und da konnte ich nicht mehr vor lachen. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Schon gar keine künstliche. Das ist allenfalls Bauernschläue und zwar von den Menschen dahinter.

Denn mit Sicherheit hat ein Mensch entschieden, dass iPhone-User mehr zahlen [können] als Android-User. iPhone gibt es nur in teuer, Android auch für <100€. Und ein Mensch hat der App-Logik in die Datenbank geschrieben, dass Chanel eher teuer ist und Outlets eher günstig bzw. das entsprechende Klientel anziehen.
Weder hat die App Zugriff auf das konkrete Preisniveau des Ladens vor dem der Kunde steht, noch auf dessen Einkäufe dort oder den Kaufpreis seines Mobiltelefons. Sein iPhone stammt vielleicht von eBay, zahlen muss er trotzdem mehr.

Das einzige, was die Maschine hier macht ist, Karte und Gerät mit den Kriterien eines Menschen abzugleichen. Wäre das wirklich künstliche Intelligenz, dann wäre sie von ganz allein darauf gekommen. Dazu müsste sie aber Zugriff auf die Produktpalette und Preisstruktur der Händler haben und die soziale Bedeutung der Smartphonewelten auf einem Niveau verstehen, das deutlich über den reinen Kaufpreis hinaus geht.

Abseits der moralischen Fragen ist das keine Intelligenz, höchstens platte Gewinnmaximierung. BWL erstes Semester, vermutlich sogar erste Woche. Der Begriff “Künstliche Intelligenz” ist reines Marekting und das wird immer dümmer und offensichtlicher, je inflationärer er benutzt wird.

Ich wüsste jetzt keine Anwendung, für die mit “künstlicher Intelligenz” geworben wird, die ich nicht auf stumpfe, automatisierte Statistik zurückführen würde. Mit Grundbedingungen, die ein Mensch definiert hat. Details verschieben sich vielleicht durch die Ergebnisse der Statistik, aber etwas wirklich Neues entsteht dabei nicht.

Da steckt manchmal vielleicht wirklich viel Hirnschmalz hinter und die Auswertung ist so kompliziert oder aufwändig, dass eine Maschine das wirklich genauer und fehlerfreier hinbekommt als ein Mensch. Aber das macht die Maschine kein Bit weit zur Intelligenz. Und die moralisch zweifelhafte Abzocke von vermeintlich besser verdienenden Menschen gehört nicht in die Kategorie “viel Hirnschmalz”.

Nicht falsch verstehen: es gibt ernsthafte Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz. Aber das, was wir gemeinhin mit dem Etikett “Künstliche Intelligenz” sehen, ist eine gut vermarktete statistische Auswertung.

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