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gesehen: Carmen 3D

Am Samstag waren wir im Kino und haben uns die Oper Carmen angesehen. In 3D. Meine erste Oper.

Oper im Kino

Das Kino ist nicht gerade das erste was einem in den Sinn kommt wenn man an Oper denkt, auch deshalb war ich gespannt auf eine Oper im Kino. Die UCI Kinowelt in Flensburg zeigt sogar relativ viele Opern.
Carmen 3D ist dabei eine Ausnahme, denn es ist eine Produktion die für das Kino gemacht ist. Sie soll wohl zeigen was möglich ist, bzw. dass es Möglich ist. Produziert worden ist sie von RealD, den Herstellern des 3D-Verfahrens das im UCI eingesetzt wird.

Das Erlebnis

Eine Oper ist — man verzeihe mir diese einfache Anfängerformulierung — eine gesungene Geschichte. Die Lieder aus Carmen kennt jeder. Wirklich jeder, auch Du. Die Geschichte die in Carmen 3D auf französisch erzählt bzw. ersungen wird muss man sich nicht vorher durchlesen um sie zu verstehen, Einsteigertauglich gibt es Untertitel. Da die Geschichte nicht sehr komplex ist muss man dabei nicht viel lesen, das wichtigste ist aber eh die Musik und die Stimmung.
Kino, 3D, Untertitel — das klingt nicht sehr nach einem Opernerlebnis. Aber es funktioniert. Nicht nur für Operneinsteiger wie mich, wir hatten jemanden dabei die schon einige Opern in Opernhäusern gesehen hat und auch hier funktioniert es. Es ist natürlich anders und man darf es nicht direkt vergleichen, da gewinnt die echte Oper immer. Aber auch im Kino hört man die Musik, man sieht das Schauspiel und kann voll eintauchen.
Die 3D Technik ist hier ein Vorteil weil das Stück direkt auf der Bühne aufgenommen wurde, man ist wirklich dabei. Aber sie hat eine technische Schwäche die hier mehr auffällt als bei einem Film: die Schärfentiefe ist begrenzt, die Kamera nimmt ein dreidimensionales Bild auf, muss sich dabei aber auf etwas scharf stellen. Als Zuschauer fällt das auf weil die Technik an sich so gut funktioniert. Das Bild ist echter, lebendiger als eine normale Projektion auf die Leinwand. Als Folge blickt man sich um und sieht sich auch Bereiche an die die Kamera nicht scharf aufgenommen hat. Und in dem Moment empfindet man die 3D-Technik als Nachteil, weil auffällt dass sie doch nicht perfekt ist.
Am besten fährt man wenn man sich auf die Bildregie einlässt und versucht nicht zu viel Abseits der Handlung genau zu betrachten.

Ein weiterer Punkt der mir aufgefallen ist, ist das der Ton nicht wirklich gut klingt. Er ist nicht schlecht, aber von einer Oper habe ich mehr erwartet. Es klingt teilweise wie normales Stereo, vielleicht sogar ein Tick zu lesen. Achtet man aber drauf hört man raus dass es durchaus mindestens 5.1 Sourround ist, wahrscheinlich sogar 7.1. Auch das mit der Lautstärke täuscht. Das merkt man spätestens dann wenn viele Leute singen, vor allem wenn es Frauen sind. Denn dann ist es beeindruckend laut. Die Dynamik stimmt also. Eine Oper spielt sich vorn auf der Leinwand ab, also gehört der Ton auch dort vorne hin. Die Dynamik passt auch wenn man die Stellen an dem nur einer Singt mit den “Massengesängen” vergleicht.
Trotzdem habe ich das Gefühl dass man es besser hätte machen können und sollen. Das kann an meinem ungeübten Gehör leigen, aber ich glaube wirklich, dass mehr hier wirklich mehr gewesen wäre.

Dem Gesamterlebnis tut Beides aber keinen Abbruch. Wenn man drüber nachdenkt hätte man das Erlebnis sicher noch steigern können, aber es war auf jeden Fall ein Besuch der sich gelohnt hat!

Kino statt Oper?

Wir hatten wie erwähnt jemanden dabei die schon diverse Opern richtig gesehen hat. Und auch ihr hat es gefallen. Es ist sicher kein Ersatz für ein Opernhaus, aber das muss man erstmal in Reichweite haben. Und auch wenn die Karten teurer waren als ein normaler Film sind sie immer noch viel billiger als in der richtigen Oper.
Leute die Carmen kennen werden bemängeln dass Carmen 3D gekürzt ist, Laufzeit sind 170 Minuten, also knapp 3 Stunden, mit 20 Minuten Pause. Als Einsteiger merkt man dass die Geschichte nach der Pause schneller erzählt wird, aber es stört nicht, es passt weiterhin.
Gerade für Einsteiger finde ich Carmen 3D aber gerade deswegen sehr gut geeignet: es ist mit knapp 3 Stunden nicht zu lang und durch die Untertitel versteht man auch ohne sich vorzubereiten worum es geht.
Und ich denke auch wer schon in richtigen Opern war kann die Vorstellung geniessen, vorrausgesetzt man kann sich davon frei machen es ständig zu vergleichen. Es ist kein Opernhaus. Akzeptiert man das funktioniert es.

Kino statt Oper!

Jetzt lehne ich mich etwas aus dem Fenster, aber auch das werden wir wohl in den nächsten Monaten prüfen:
Ich erwähnte am Anfang, dass Carmen 3D eine Ausnahme sei. Und die besteht darin dass es eine Produktion für das Kino ist. Es ist die einzige Oper dieser Art die im (Flensburger Multiplex-) Kino läuft. Alle anderen Opern sind Live-Übertragungen aus der MET.
Von Oktober bis April werden pro Monat ein oder zwei Opern live aus New York übertragen. Nicht in 3D von der Bühne, sondern ganz klassisch. Und das dürfte auch etwas für richtige Operngänger sein, denn auch wenn auch das natürlich nicht die Kino in einen echten Opernsaal verwandelt sieht man hier die komplette Oper und das wie mir gesagt wurde in Starbesetzung. Das dürfte es für alle interessant machen die nicht mal eben nach New York fliegen können und denen es um die Oper an sich geht. Man verliert einen Großteil der Atmosphäre, aber dafür zwahlt man auch weniger und hat überhaupt die Chance die Vorstellung zu sehen.

Kino ist kein Ersatz

Das Kino ersetzt nicht die Oper. Wer die Wahl hat wird und sollte immer die echte Oper bevorzugen. Aber es ist einge schöne Ergänzung, qualitativ unter dem Opernhaus.
Es erweitert das Spektrum und ermöglicht es mehr Leuten in die Oper zu gehen. Preislich und Geografisch. Letzteres kann es auch interessant machen für altgediente Operngänger machen.

So, nun darfst Du mich gern als ungebildeten Idioten verreissen, der Vollständigkeit halber hab ich in den erweiterten Bereich noch den Trailer zu Carmen 3D gepackt:

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